Abstracts Frühjahrssemester 2022

Der arabische autokratische Staat und die Rechte der Frau

PD Dr. Elham Manea
Institut für Politikwissenschaft UZH
Mittwoch, 16. Februar 2022, 14:30 Uhr

Forschende, die sich mit Gender-Politik im Nahen Osten befassen, sind über ein verbreitetes Phänomen perplex: Viele arabische Länder gewähren Frauen zwar ein Wahlrecht, aber kaum Rechte, die ihr Privatleben betreffen. Warum? Das Problem der Frauenrechte in der arabischen Welt ist politischer Natur und nur zu verstehen, wenn wir uns auf die autoritäre Natur der Staaten, ihre Machtbasis und Merkmale konzentrieren.

Vom Wetter zum Klima – Einblicke in die langfristige Vorhersage

Prof. Dr. Daniela Domeisen
Institut für Atmosphäre und Klima, Dept. Umweltsystemwissenschaften ETHZ
Mittwoch, 23. Februar 2022, 14:30 Uhr

Wie lange im Voraus können wir das Wetter vorhersagen? Welche wissenschaftlichen Methoden stehen den Meteorologen und Klimaforscher*innen zur Verfügung, um Vorhersagen zu machen? Dieser Vortrag stellt den aktuellen Stand der Wissenschaft anschaulich dar und stellt ihn in den Zusammenhang unserer eigenen Wahrnehmung von Wetter und Klima.

Warum darf die Psychiatrie Menschen gegen ihren Willen unterbringen und behandeln

PD Dr. Manuel Trachsel
Universitätsspital Basel, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel. Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte UZH
Mittwoch, 2. März 2022, 14:30 Uhr

Für Psychiater und Psychotherapeuten ergeben sich in der Praxis immer wieder ethisch herausfordernde Situationen. Das meistdiskutierte Thema der Psychiatrie-Ethik sind Zwangsmassnahmen. Der Vortrag widmet sich den folgenden Fragen: Was sind Zwangsmassnahmen und welche Formen werden in der Psychiatrie angewandt? Warum darf die Psychiatrie Menschen gegen ihren Willen unterbringen und Zwangsbehandlungen durchführen? Warum werden Zwangsmassnahmen in der Psychiatrie relativ oft angewandt? Was hat dies mit dem gesellschaftlichen Auftrag an die Psychiatrie zu tun? Wie können Zwangsmassnahmen reduziert werden und zu welchem Preis? Welche Rolle kann dabei die Ethik spielen?

Persönlichkeit und gesundes Altern

Prof. Dr. Mathias Allemand
Psychologisches Institut und UFSP Dynamik gesunden Alterns, Philosophische Fakultät UZH
Mittwoch, 9. März 2022, 14:30 Uhr

Welche Rolle spielen Persönlichkeitsmerkmale für das gesunde Altern? Welche Persönlichkeitsprozesse begünstigen das aktive Altern? Der Vortrag befasst sich mit aktuellen Forschungsbefunden zu den Besonderheiten im Erleben und Verhalten in Bezug zum gesunden und aktiven Altern.

Sind wir alleine im All? Eine Reise in astronomische Dimensionen

Prof. em. Dr. Kathrin Altwegg
Physikalisches Institut, Abt. Weltraumforschung und Planetologie, Universität Bern
Mittwoch, 16. März 2022, 14:30 Uhr

Wir haben uns in letzter Zeit an astronomische Zahlen und schwarze Löcher gewöhnt. Was aber sind astronomische Zahlen und was schwarze Löcher? Wie sieht das Universum von aussen betrachtet aus? Wo im Weltall befinden wir uns und sind wir allein? Woher stammen wir und was wird die Zukunft – astronomisch und nicht astrologisch gesehen – bringen. Unsere Erde ist im Moment voll von Krisen und Kriegen und unsere Zukunft hat auch schon besser ausgesehen.  Deshalb liegt es nahe, gerade jetzt aus einer neuen, universellen Sicht die Vorgänge auf der Erde zu analysieren und festzustellen: alles ist relativ!  Ein astronomischer Beitrag mit Augenzwinkern zur Beurteilung der irdischen Lage.

Wer profitiert vom Wohlfahrtsstaat?

Prof. Dr. Josef Zweimüller
Institut für Volkswirtschaftslehre UZH
Mittwoch, 23. März 2022, 14:30 Uhr

Alle reichen Industrieländer haben im Lauf des 20. Jahrhunderts umfassende Sozialversicherungsprogramme installiert, die Menschen bei Verlust des Arbeitsplatzes, bei temporären oder dauerhaften Gesundheitsproblemen oder im Alter finanziell absichern. In diesem Vortrag wird der Frage nachgegangen, in welchem Mass der Wohlfahrtsstaat zur gewünschten Umverteilung von reichen zu armen Menschen führt. Mit neuen Datenquellen ist es erstmals möglich, die Umverteilung über das ganze (Arbeits-) Leben zu quantifizieren und diese Frage neu zu beleuchten.

Lust und Leiden, Leben und Tod. Philosophische Perspektiven

Prof. Dr. Wolfgang Rother
Philosophische Fakultät UZH
Mittwoch, 30. März 2022, 14:30 Uhr

In kritischer Auseinandersetzung mit den einschlägigen philosophischen Theorien wird dafür argumentiert, dass glückliches Leben angesichts der grundlegenden Herausforderungen durch Leiden, Schmerz und Tod nicht nur möglich ist, sondern dass es diese Herausforderungen selbst sind, die ein gelungenes und lustvolles Leben überhaupt erst möglich machen.

Medikamente im Alter – ist weniger manchmal mehr?

Prof. Dr. Sven Streit
Berner Institut für Hausarztmedizin, Universität Bern
Mittwoch, 6. April 2022, 14:30 Uhr

Die Medizin hat grossartige neue Behandlungen hervorgebracht, um Leben zu retten, zu verlängert und die Lebensqualität trotz chronischer Krankheiten zu verbessern. Dabei wird die Bevölkerung immer älter, hat immer häufiger mehr als zwei chronischen Krankheiten und nimmt entsprechend Medikamente ein. Ärzte sehen aber immer wieder Über- und Unterversorgung besonders bei älteren Patienten und häufig bei gebrechlichen Menschen mit Multimorbidität und Polypharmazie. Welche Therapien soll man also beginnen, welche reduzieren oder gar stoppen? Dazu wird unter dem Begriff «Deprescribing» immer mehr geforscht und auch in die Praxis Initiativen wie die von «Choosing Wisely» umgesetzt. Damit sollen die richtigen Medikamente gefunden und nicht mehr nötige, unwirksame oder sogar gefährliche Medikamente gestoppt werden.

Schreckgespenst Islam. Ist die Angst berechtigt?

Willi Bühler
Journalist und emeritierter Gymnasiallehrer für bekenntnisneutrale Religionskunde, Kantonsschule Alpenquai Luzern
Mittwoch, 13. April 2022, 14:30 Uhr

Keine Religion hat hierzulande einen so schlechten Ruf wie der Islam. Eine faire Diskussion über den Islam findet kaum statt. Unwissen und Vorurteile beherrschen den öffentlichen Diskurs. Der Vortrag möchte eine kleine Handreichung bieten zu den Risiken und Nebenwirkungen einer Weltreligion.

Aktueller Antisemitismus: Rechtsextreme, Islamisten und Antizionisten

Dr. Daniel Gerson
Institut für Judaistik, Theologische Fakultät, Universität Bern
Mittwoch, 20. April 2022, 14:30 Uhr

Covid-Leugner machen eine «jüdische Weltverschwörung» für die Pandemie verantwortlich. Ein rechtsextremer Rassist erschiesst im amerikanischen Pittsburgh Betende in einer Synagoge. Auf einer antiisraelischen Demonstration in Berlin wird von radikalen deutschen Muslimen «Juden ins Gas» geschrien. Judenfeindschaft erscheint aktuell in vielfältiger Form. Politisch in den meisten Demokratien geächtet, bleibt Antisemitismus heute ein Kennzeichen der radikalen Ablehnung unserer offenen Gesellschaft und belegt die Kontinuität von Jahrhunderte alten Vorurteilen.

«Chef per Los?» Fokale Zufallsauswahl als Alternative für mehr Chancengleichheit in «Winner-takes-all-Gesellschaften»

Prof. Dr. Katja Rost
Soziologisches Institut UZH
Mittwoch, 27. April 2022, 14:30 Uhr

Das meritokratische Paradigma wettbewerbsorientierter westlicher Kulturen beruht auf der Überzeugung, dass Erfolg auf Talent, harter Arbeit und Risiko zurückzuführen ist. Oft begründen aber glückliche Umstände, wer erfolgreich ist. Die systematische Anwendung des Zufallsprinzips in Selektionsverfahrens erhöht Chancengleichheit und reduziert soziale Ungleichheit auf Winner-takes-all-Märkten.

Moderne Therapien bei Herzrhythmusstörungen

Prof. Dr. Sacha Salzberg
Swiss Ablation, Herz- und Rhythmuszentrum
Mittwoch, 4. Mai 2022, 14:30 Uhr

Die Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind Schädigungen beziehungsweise Störungen am Reizleitsystem des Herzens. Diese können den Sinusknoten, dem natürlichen Schrittmacher des Herzens, die Vorhöfe oder auch die grossen Kammern (Ventrikel) betreffen. Das sogenannte Reizleitungssystem ist die elektrische «Verkabelung» im Herzen. Zusammen mit dem Sinusknoten, ist es für die rhythmische Kontraktion des Herzmuskels verantwortlich. Liegt an einer Stelle eine Störung vor, entsteht ein unregelmässiger Puls, genannt Arrhythmien, welcher wiederum diverse Symptome verursachen. Die Erkrankung tritt vor allem bei jüngeren Patienten mit bestimmten Risiko-Profilen, im höheren Alter oder bei trainierten Ausdauersportlern auf. Es kann jedoch auch spontan auftreten. Entweder wird aufgrund der Symptome eine Untersuchung angeordnet oder der unregelmässige Herzrhythmus wird zufällig während einer Routinekontrolle entdeckt. Herzrhythmusstörungen können gefährlich sein, aber die meisten sind ungefährlich. Deshalb ist es wichtig einen Spezialisten zeitnah aufzusuchen, um abzuklären, was für eine Rhythmusstörung vorliegt.

Wie viel Spiritualität steckt in der Alternativmedizin?

Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens
Religionswissenschaftliches Seminar UZH
Mittwoch, 11. Mai 2022, 14:30 Uhr

Die einen finden den Bezug zu „Spiritualität“ gerade eine Stärke der Alternativmedizin, die anderen kritisieren sie als „esoterisch“, die dritten sagen Alternativmedizin hat mit Spiritualität gar nichts zu tun. Unter Alternativmedizin werden eine Vielzahl sehr unterschiedlicher therapeutischer Ansätze verstanden, denen die Abgrenzung zur sogenannten Schulmedizin oder Biomedizin gemeinsam ist. Bachblüten, Reiki, Ayurveda, Geistheilung und die Medizin der Hildegard von Bingen – oder auch die Homöopathie haben jeweils andere Therapieansätze und Körperkonzepte, auf denen sie beruhen. Einige alternativmedizinische Verfahren gehen explizit von Energiebahnen, Auren oder auch übernatürlichen Kräften aus, die für die naturwissenschaftlich fundierte Medizin nicht existieren. Bei einigen Verfahren findet sich auch der Anspruch oder das Versprechen nicht nur den physischen Körper, sondern auch den Geist und die Seele auf einer spirituellen Ebene heilen zu können. Bei anderen ist der Bezug zur Spiritualität oder auch direkt zu religiösen Konzepten vor allem in ihrer historischen Herkunft zu entdecken. Was bedeuten diese Bezüge? Welche Erwartungen haben diejenigen, die alternative Medizin nutzen? Erfüllen manche Angebote tatsächlich nicht nur eine therapeutische, sondern auch eine spirituelle Rolle? Und liegen hier möglicherweise auch besondere Risiken?